Corona oder doch Yesinia Pestis? Alles neu was wir derzeit erleben? Ein Kommentar.

Was wir aus dem Mittelalter lernen können.
Nein.. keine Verschwörungstheorie….Mir ist auch bekannt das das Eine eine virale Infektion ist während „die Pest“ einen bakteriellen Ursprung hat.
Aber mal nicht so Abwegig, in manch anderer Hinsicht:
Obwohl medizinisch völlig anderer Ursprung gibt es doch Gemeinsamkeiten.
Insbesondere die, wie die Menschheit und die Gesellschaft darauf reagieren, und das mit Jahrhunderten Abstand.
Wollen wir uns die Sache einmal näher zu Gemüte führen?

Gerade sagte Ich Pest und Corona haben unterschiedliche Ursprünge…. Ja aber:
Beide sind „enzootisch“!

Das heißt die Pest kann vom Tier auf den Menschen übertragen werden, und von Mensch zu Mensch. Bei COVID 19 von Mensch zu Mensch, es wird aber derzeit eine tierische Ursprungsquelle vermutet.
Bei beiden Erkrankungen gibt es unterschiedliche Verläufe: Bei Yesinia Pestis: Beulenpest, Pestsepsis (Blutpest oder auch der schwarze Tod), und die Lungenpest die Influenza-artig übertragen werden kann, aber auch die Abortive Pest bei der nur leichte Symptome wie erhöhte Temperatur und Schwellung der Lymphknoten auftreten, während der Patient danach durch Antikörper gegen eine Neuinfektion eine Zeit lang geschützt ist.
Ähnlich verhält es sich ja mit einer Coronainfektion, von keinen bis ganz leichten Symptomen bis hin zur Lungenentzündung die dann mit COVID-19 einen schweren Verlauf mit Atemstillstand und extremen Fieber ergibt. Auch hier tritt nach überstandener Infektion eine auf Antikörpern basierende Immunität ein, ob diese allerdings dauerhaft ist ist derzeit noch nicht bewiesen.

Viel interessanter als die medizinische Seite ist aber die Frage welche Reaktionen eine solche Pandemie hervorruft in sozialer, gesellschaftlicher Hinsicht. Wir behaupten ja immer das wir seit Antike und Mittelalter immense humanistische Fortschritte gemacht haben… ist das wirklich so?
Um es vorwegzunehmen: Hexenverfolgung Aussatzsiedlungen und Inquisitionstribunale haben wir noch nicht wieder eingeführt…. außer man schenkt den einem oder anderen Post auf den sozialen Medien glauben…naja ob APP Tracking und Tracing dann doch darunter fällt?

Dennoch in den Pestverordnungen verschiedener Stadträte aus dem 14. Jahrhundert sind einige Maßnahmen nachzulesen die uns im Moment seltsam bekannt vorkommen:
Schließung der Schenken. Minimierung des Handwerks und der Kaufmannszunft bis auf das Überlebensnotwendige. Ausgangsregulierung.Hygienevorschriften (mittelalterliche aber immerhin). Quarantäne – und Reiseregelungen. Und einige Dinge mehr. Manches recht Deckungsgleich mit unserer momentanen Situation, oder aber leider auch mit den Bildern die uns aus Spanien, Italien und anderen Ländern erreichen.

Also Mittelalterlich gesehen dürfte man die Coronavirus Pandemie von 2019 / 2020 durchaus als „Pestilenz“ bezeichnen!
Denn zu mittelalterlichen Zeiten wurde Pestilenz als Begriff für alle möglichen Seuchen gebraucht und das heißt er auch: Hergeleitet aus dem Griechischen ins lateinische Pestilentia wörtlich übersetzt: „Seuche, Epidemie“.

Hat´s gewirkt?
Bekannt ist das man damals medizinisch noch mitten in der Säftelehre nach Galen steckte obwohl neueste archäologische Experimente bewiesen haben, das Wundärzte schon über Antibiotika verfügten ohne allerdings zu wissen warum und wie es wirkt.
Und das kann man auch auf die Maßnahmen übertragen:
Man wusste nicht genau warum Gewürzwein statt Wasser, herunterfahren der städtischen Infrastruktur, mehr Hygiene, Schließung der Schenken, Freudenhäuser und öffentlichen Bädern und so weiter wirkte, aber das tat es. Deswegen wurde es gemacht. Man muss dabei auch berücksichtigen das die Todesrate der Pest oder auch der schwarzen Pocken und anderen aus der langen Liste dieser Krankheiten, damals bei über 90 % lag! Heute können wir diese Erkrankungen mit Antibiotika heilen, damals konnte man tatsächlich nur Beten und Pflegen.
So war das Einzige und Beste was man machen konnte: Sowenig Ansteckungen wie möglich zuzulassen. Und das hat gewirkt, zumindest in gewissen Grenzen.
Aber man muss auch sagen das die Bevölkerungszahlen zu jener Zeit kein Vergleich wahren zu heute. Globalisierung gab es nicht und der Reise und Warenverkehr war auch gemessen an den heutigen Zahlen recht überschaubar und langsam. Allerdings die Anballung von Personen innerhalb der Städte hat sich seit damals nicht geändert. Genauso wie wir nicht herumkommen die Uneinsichtigkeit mancher Zeitgenossen damals, wie heute hier zu erwähnen.
Auch hier gibt es eine Parallele, denn gegen Covid 19 gibt es derzeit weder einen Impfstoff noch eine spezifische Behandlung.
Heute würden wir wissen warum wir etwas auf Distanz gehen müssen derzeit, wieso wir die Globalisierung mal kurz unterbrechen müssen, wieso wir nicht jeden Tag auf ein Konzert mit 90.000 Leuten gehen sollen… nur wir halten uns manchmal immer noch nicht daran!
Vielleicht weil uns ein Stück weit die Ehrfurcht verloren gegangen ist.
Ganz anders im ausgehenden Mittelalter da hatte man diese und wenn nicht wurde sie erzeugt :Aberglaube, Mystizismus und Hexenverfolgung, St. Veits Tanz und verschiedene christliche Rituale waren die Folgen, die heute ganze Buchreihen der Historiker füllen. Auch Erwähnung finden natürlich hier Gewinnler, also jene die zu diesen Zeiten Mittelchen, Tinkturen und allerlei anderen wirkungslosen Tand an die Bevölkerung verkauften, mit Lebensmittel wucherten oder angeblich genauestens wussten was los ist. Sowie einige die politisch die Situation zu ihren Gunsten nutzen. Leider auch hier Parallelen, hoffentlich jedoch keine allzu großen, denn je länger die „Seuche“ andauerte desto wilder wurden diese Umtriebe.

Viele Einflüsse vor allem der mittelalterlichen Pest kennen wir aber auch heute noch. Das Wort und die Bedeutung Quarantäne. Ist hier ein gutes Beispiel. Venedig führte während einer Pestpandemie 1347 den Pestbrief ein. Er diente als Einreisevoraussetzung. Wenn ein Kaufmann einreisen wollte musste er nachweisen das er und seine Waren 30 Tage abgesondert waren. Diese Frist wurde später auf 40 Tage erweitert. Woraus der Begriff Quarantäne entstand („quaranta giorni“ : 40 Tage).Übrigens gilt dieses Vorgehen als Vorläufer des heutigen Reisepasses.
Aber auch viele andere Dinge entstanden währen der Pandemien in Mittelalter und danach:
Passionsspiele und Prozessionen. Bauten, wie Kirchen und Pestkapellen.Einflüsse auf die Kunst, auf die soziale Ordnung, auf die Medizin. Bürgerspitäler sowie deren tragende Stiftungen und Verbände entstanden und der Fortschritt in vielen anderen Bereichen der zur Grundlage unserer heutigen Gesellschaft wurde, zumindest sofern sich das in diesem Zeitabstand über weitere Stationen nachverfolgen lässt.

Aus der Isolation raus, eine Exitstrategie:
Auch darüber gibt es Aufzeichnungen, allerdings anderer Art. So schickten nach großen Epidemien Städte Anwerber durch die Lande um ja nach Lage diverse Handwerke wieder zu verstärken oder neu anzusiedeln. Also eine Art mittelalterliche Rezessionsbekämpfung. Die hatte aber einen anderen Grund: Während wir eine Pleitewelle befürchten waren damals die entsprechenden Gewerke nicht mehr vorhanden weil ihre Meister und Gesellen Opfer des Seuche geworden waren, etwas das uns hoffentlich erspart bleibt.

Was können wir also vom Mittelalter lernen?
Hoffnung und Geduld, vielleicht. Mittelalterliche Pestausbrüche entstanden meist um Ostern herum, logisch die Karwoche bei dem alles in den Kirchen war wirkte hier wahrscheinlich wie ein Brandbeschleuniger. Es folgten Wellen mit immensen Opferzahlen den ganzen Sommer über und endeten meist im Spätherbst. Es gab aber auch antizyklische Verläufe. Jedoch sie endeten das ist wahrscheinlich das Hoffnungsvollste.
Heute haben wir die Mittel hier einzuschreiten medizinisch wie Gesellschaftlich, um einen solchen Verlauf unter Kontrolle zu bringen. Mehr noch, wir verstehen viel mehr von den Wechselwirkungen und unserem hausgemachtem Systemen. Deswegen sollten wir auch machen, was wir können, lernen was immer es zu lernen gibt und vielleicht ein wenig mehr Ehrfurcht zurückerlangen. Nichts ist trivial, nichts ist selbstverständlich. Freiheiten die wir bis vor ein paar Wochen als gegeben hingenommen haben müssen nun Eingeschränkt werden und der eine oder andere versteht langsam, lernt zu schätzen was wir hatten, und hoffentlich in einiger Zeit wider haben werden. Bis dahin:
Bleiben Sie Gesund! Ihr Thomas Starringer

Man ersieht hieraus wie langsam die Menschen sind wenn sie Zeit zu haben meinen, und wie schnell sie dann zu Werke gehen wenn die Not sie treibt. Niccolo Machiavelli