Großprojekt abgeschlossen: Feuerwache II Wackersdorf eingeweiht

Bild: Mario Bernhardt/VG Wackersdorf

Die Gemeinde Wackersdorf hat im Norden der Kommune eine neue Feuerwache gebaut. Sie befindet
sich in direkter Nachbarschaft zu den Industriegebieten Westlicher Taxöldener Forst (WTF) 1, WTF 2
und Nord. Die Wache optimiert den Brandschutz vor Ort erheblich – und steigert dadurch den Wert
des Wirtschaftsstandorts.


Am 27. Januar fand die Einweihung statt. Der Blick auf die Gästeliste, in die sich unter anderem auch
Regierungspräsident Axel Bartelt reihte, täuschte im ersten Moment: Die Besucherzahl war drastisch
begrenzt. Jeder Gast bekam einen festen Sitzplatz mit genau abgemessenen Mindestabständen zum
Sitznachbarn zugewiesen. Auf das „große Besteck“ mit musikalischer Umrahmung und Festbetrieb
musste verzichtet werden. Trotz dieser und weiterer Corona-bedingter Einschränkungen herrschte
beste Laune. Zurecht. Immerhin markiere die Fertigstellung des Gebäudes den Abschluss eines
Großprojekts, das Wackersdorf seit vielen Jahren beschäftigte, merkte Bürgermeister Thomas Falter
in seinem Grußwort an. Anschließend wandte er den Blick auf die Historie. Der Ursprung des neuen
Standorts gründet in der sogenannten „Hilfsfrist“. Diese legt fest, dass binnen 10 Minuten Kräfte der
Feuerwehr Wackersdorf Einsatzorte im Gemeindegebiet erreichen müssen. Mit Blick auf die
Industriegebiete sei dieses Zeitfenster oftmals nur schwer einzuhalten gewesen, so Falter: „Die
Distanz zur Feuerwache am Rathaus ist schlichtweg zu groß.“ Eine Verlegung des Feuerwehrhauses
am Rathaus in die Nähe der Industriegebiete hätte das Problem auch nicht behoben, ergänzte
Regierungspräsident Axel Bartelt. Dadurch hätte die Hilfsfrist im Bereich der Autobahn nicht mehr
eingehalten werden können: „Das ist wie mit einem Tischtuch, das zu klein für den Tisch ist. Egal in
welche Richtung man es zieht: An einem Ende reicht es immer nicht.“ Abhilfe schafft der neue
Standort, die Feuerwache 2. Dazu wird keine neue Feuerwehr gegründet. Das neue Haus wird
vollständig in die Feuerwehr Wackersdorf integriert. Das Besondere: Diese Zwei-Standort-Modell ist
keine Lösung von der Stange, wie auch Landrat Thomas Ebeling betonte: „Die größte
Herausforderung lag in der Personalfrage.“
Die Einsatzkräfte: Das „Wackersdorfer Modell“
Schon die Bezeichnung „Freiwillige Feuerwehr“ steckt das Problemfeld ab: Es braucht aktive,
ehrenamtliche Mitglieder, die im Alarmfall ausrücken. Und selbstverständlich spiele auch hier die
Hilfsfrist wieder eine tragende Rolle, schilderte Reinhard Schuß, Hauptamtsleiter im Wackersdorfer
Rathaus: „Da fielen schnell unsere ortsansässigen Betriebe in den Fokus.“ Immerhin arbeiteten im
direkten Umfeld um die Wache 2 mehrere tausend Beschäftigte. Und genau in diesem Personenkreis
konnten Einsatzkräfte gewonnen werden. Es sind überwiegend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die
bei sich zuhause am Wohnort bereits einer Feuerwehr angehören, nun der Feuerwehr Wackersdorf
als sogenannte „Zweitwehr“ beigetreten sind, und im Einsatzfall während ihrer Arbeitszeit von
Feuerwache 2 ausrücken. Dieses Personalmodell finde man in ganz Bayern nur äußert selten, richtete
sich der Bürgermeister an die Gäste der Einweihungsfeier: „Ein großes Dankeschön an alle Firmen,
die ihr Personal für den Feuerwehreinsatz freistellen.“ Er ergänzte, dass diese Konstellation zusätzlich
ideelle und einsatz-taktische Vorteile mit sich bringe. Zum einen stärke die Zusammenarbeit in der
Wehr die Kommunikation und die Verbindung der Unternehmen untereinander. Einen zweiten
Aspekt erläuterte Kommandant Jochen Sander: „Die Leute kennen ihre eigenen Betriebe. Das ist im
Einsatzfall schnell von großem Wert.“ Verstärkt wird die Wachmannschaft zeitweise durch
Einsatzkräfte der Feuerwehren Rauberweiherhaus und Altenschwand. Auch hier sprach
Bürgermeister Thomas Falter einen expliziten Dank an die Aktiven aus – im Falle der Feuerwehr
Altenschwand zusätzlich an die Gemeinde Bodenwöhr.
Zwei Fahrzeuge und ein Boot
Als „Allzweckwaffe“ wird an der neuen Feuerwache ein sogenanntes Löschgruppenfahrzeug vom Typ
LF 16/12 stationiert. Auf ihm ist neben den Gerätschaften zur Brandbekämpfung auch umfangreiches
Material für schwere technische Hilfeleistungen verlastet. Dieses Fahrzeug befindet sich bereits seit
1996 im Fuhrpark der Feuerwehr Wackersdorf. Es wird von der alten Feuerwache am Rathaus an den
neuen Standort verlegt. Als Ersatz erhält Feuerwache 1 noch in diesem Jahr einen „GerätewagenLogistik“. Der Fuhrpark von Feuerwache 2 wird durch einen Kleinbus („Mannschaftstransportwagen“)
und ein Boot ergänzt. Letzteres wird mittels eines Anhängers transportiert. So kann es zukünftig
flexibel in den umliegenden Gewässern wie Murner See und Brückelsee eingesetzt werden. Wann die
Gerätschaften erstmals von Wache 2 ausrücken, ist noch nicht sicher. Die finalen Handlungsschritte
liegen hier in der Hand von Feuerwehrführung und Integrierter Leitstelle.
Massive Investition in die Feuerwehren der Gemeinde
2,2 Mio. Euro investiert die Gemeinde Wackersdorf alleine in den Neubau von Wache 2. Hinzu
kommen beispielsweise Kosten für neue Fahrzeuge und die persönliche Schutzausrüstung der
Feuerwehrfrauen und -männer. Die Investitionen konzentrierten sich nicht nur auf die neue
Feuerwache 2, hielt der Bürgermeister fest. Auch die anderen Standorte habe man fest im Blick. Die
Feuerwache 1 am Rathaus wurde jüngst mit einem neuen Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF
20) ausgestattet, in diesem Jahr folgt wie bereits erwähnt ein Gerätewagen-Logistik. Auch die
Ortsteilwehren in Rauberweiherhaus und Alberndorf werden in naher Zukunft jeweils mit einem
neuen Einsatzfahrzeug (TSF) ausgerüstet.


Das wichtigste zum Schluss: Danke fürs Ehrenamt!
Der rote Faden, der sich durch alle Reden und Grußworte zog, war eindeutig: Das Ehrenamt der
Feuerwehr verdient allerhöchsten Dank und Respekt – oder wie es Bürgermeister Thomas Falter auf
den Punkt brachte: „Wir können ein Feuerwehrhaus bauen. Wir können Fahrzeuge und
Gerätschaften kaufen. Doch das alles ist nichts wert, wenn es die zahllosen Feuerwehrfrauen und –
männer nicht gäbe, die zu jeder Tages- und Nachtzeit ausrücken, um anderen zu helfen.“ Für seinen
Einsatz rund um die Feuerwehren in der Gemeinde verlieh ihm die Feuerwehr Wackersdorf am Ende
der Einweihung die Bayerische Feuerwehr-Ehrenmedaille des Landesfeuerwehrverbands – und eine
vollständige Einsatz-Ausrüstung: „Übung ist immer freitags um 18:00 Uhr“, witzelte Kommandant
Jochen Sander. Einen Einsatzhelm gab es auch für Regierungspräsident Axel Bartelt. Als
Abschiedsgeschenk. Am 31. Januar endet seine Amtszeit.

PM: Gemeinde Wackersdorf, Michael Weiß