Heimat der Druiden

In Kröblitz bei Neunburg vorm Wald erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe etwas Besonderes: Polsterförmige und verwitterte Granitblöcke bilden hier einen markanten Landschaftspunkt, der als „Druidenstein“ bekannt ist.  Um dieses wunderschöne Fleckchen Natur ranken sich Legenden und Mythen zuhauf. Deswegen halten wir uns zunächst an die Fakten. Entstanden ist die imposante Stein-Ansammlung, deren oberster Stein wie eben hingelegt anmutet, auf natürlichem Wege.

Durch die Geologie, die unsere Gegend schuf, sowie durch Verwitterung entstand das eindrucksvolle Naturdenkmal. Als solches ist der Druidenstein geschützt und offiziell geführt. Vor 1840 existieren darüber keine schriftlichen Überlieferungen. Erst dann taucht er zum ersten Mal in einer Erfassung der Gegend auf.

Wie kam es zum  Namen? Der Volksmund und die meisten Heimatforscher leiten „Druidenstein” von den keltischen Begriff „Druiden” ab. Daraus entwickelte sich die Theorie, dass es sich bei dem Naturdenkmal um einen keltischen Opferstein handelt, was durch Vertiefungen und Schriftzeichen am Stein untermauert werden soll.
Kreisheimatpfleger Theo Männer sagte kürzlich in einem Vortrag: „Urkeltisch heißt „dru-uid“ eichenkundig –  abgeleitet vom Begriff „dru“ für Eiche. Der Eichenkult spielte bei den Kelten eine wichtige Rolle. Deshalb sei es interessant, dass in Kröblitz ein Eichenhain überliefert ist und die benachbarte Flur des Druidensteins „Eichenacker“ heißt.“ Ist Druidenstein also „nur“   eine Ortsbezeichnung?
Der Begriff veranlasste Ende des 19. Jahrhunderts den Heimatforscher Georg Dorrer, die mythologische Gestalt der „Drud“ – eines weiblichen Nachtgeists, der die Menschen drückt – ins Spiel zu bringen. Hier verlassen wir aber den keltischen
Kulturkreis und bewegen uns in germanischen Mythen und Sagen. Schlussendlich ist noch schriftlich der Name „Trunstoi“ überliefert – was aus dem Mittelhochdeutschen übersetzt nichts anderes als „Thronstein“ bedeutet – passend zur Optik

Weiterhin sind für den Ort noch schriftlich überliefert die Bezeichnungen „Druttenstein“ und „Truden-Stein”.
Der Mythos der keltischen Opferstätte ist jedoch seit den ersten Untersuchungen in aller Munde. Als Indizien dafür dienten den Heimatforschern Gustav Dachauer und Georg Dorrer Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts angebliche Runen sowie die Opfervertiefungen im Stein. Gustav Dachauer geht gar noch weiter und stellte die Behauptung auf, der Druidenstein sei ein  Monument der westeuropäischen Megalithkultur (Großstein-Kultur), zu der auch Megalithgräber wie Dolmen und Ganggräber gehören. Dies widerspricht allerdings der heute gültigen Feststellung, dass die Steinformation auf natürlichem Wege entstanden ist. Dachauers Spekulationen um einen eventuell vorhanden gewesenen Steinkreis haben sich bis heute nicht bestätigt. Nach heutigem Wissen war das Schwarzachtal seit der Steinzeit immer wieder besiedelt, auch rund um den Druidenstein herum wurden Hinterlassenschaften steinzeitlicher Jäger gefunden. Ob aber Kelten bis hierhin siedelten, ist nicht bewiesen. Von späterer slawischer Besiedlung ist jedoch auszugehen.

Bleiben noch die als Beweis für eine Opferstätte angeführten Vertiefungen. Hier muss gleich mit der in diesem Zusammenhang meist im Internet gezeigten obersten kreisrunden Vertiefung angefangen werden:

Sie ist nachweislich später entstanden. Nicht nur ihre mechanische Ausführung spricht dafür, auch ist bei Dorrer belegt dass „… die Herrschaft Weinbach es in den Fels schlagen ließ, um den Pfosten eines ‚Schwammerldaches‘ befestigen zu können.“ Ein Datum dazu ist nicht überliefert. Die Sitte aber, solche Dächer an markanten Punkten in der Natur aufzustellen, ist um die 1860er Jahre herum zu finden. Bleiben schließlich noch schalen-ähnliche Vertiefungen, eine große „Opferrinne“, welche auch als menschenähnlich beschrieben wird, und in den Stein gehauene Aufstiegshilfen. Wann und zu welchem Zweck diese entstanden, lässt sich allerdings heute nicht mehr nachvollziehen.
Auch die angeblichen Runen im Stein sind mehr als verwirrend. Schon alleine die Tatsache, dass Runen erst ab dem 2. Jahrhundert entwickelt wurden, passt nicht zur keltischen Siedlungstheorie.  Deutungsversuche derselben fußen auch immer auf den sogenannten „Makromanischen Runen“. Der Name allein ist dabei ist jedoch schon irreführend –  denn selbiges Deutungsalphabet entstand erst im 8. Jahrhundert, als Mönche versuchten, jeder Rune eine lateinische Bedeutung zuzuschreiben. Des Weiteren sind die angeblichen Zeichen derart verwittert, dass eine genaue Zuordnung nahezu unmöglich ist.

Der Druidenstein wird mehrfach als Kraftort beschrieben. Kompass-Nadeln sollen hier  tanzen und ungewöhnliche Dinge sich ereignen, meist nachts. Dies sind nun natürlich Vorkommnisse, über die man wild und ausdauernd spekulieren kann – zumal man dieselben immer in Verbindung einer der Namenstheorien bringen möchte. Logisch ist jedoch, dass geologische Besonderheiten in der Natur auch Auswirkungen auf Magnetfeld und Umgebung haben können. Ob dies beim Druidenstein der Fall ist, wurde noch nicht wissenschaftlich untersucht oder belegt.
So bleiben reine Erlebniserzählungen und Gerüchte übrig. Tatsache ist jedoch, dass jener Ort schon lange vor 1840, bereits bei den  Jägern und Sammlern in der Jungsteinzeit bekannt war und zu verschiedensten Zwecken benutzt, gedeutet und verändert wurde.
Heute dient er als Ausflugsziel für Wanderer auf dem Goldsteigweg und zur Naherholung. Es ist ja auch eindrucksvoll und wunderschön zu jeder Jahres- und Tageszeit dort. Vielleicht ist dies der wahre Ursprung aller Sagen und Mythen rund um diesen Ort, über alle  vergangenen Zeitalter und Kulturen hinweg. Und wer weiß schon, was Menschen in 1000 Jahren über den Druidenstein zu berichten wissen?