Kunstherbst unter Vorzeichen der Coronakrise

Dieser Neunburger Kunstherbst hebt sich signifikant von seinen Vorläufern ab! Die Corona-Pandemie überschattet die achte Auflage des regionalen Saisonfestivals im Schwarzachtal. Am 31. Juli stellten die Verantwortlichen des Kunstvereins Unverdorben das auf neun Kulturtermine komprimierte Programm vor.

Laufend aktualisiert und angepasst kann man das Programm einsehen unter: http://www.kunstverein-unverdorben.de

Die Medienpräsentation leitete 1. Bürgermeister Martin Birner mit einem Grußwort ein. Er nutzte diesen „Prolog“ für ein großes KomplimentSONY DSC an die ehrenamtliche Arbeit des Kunstvereins Unverdorben, welche im weiten Umkreise ihresgleichen suche. Den Verantwortlichen gelinge es immer wieder mit Ideenreichtum und Kreativität Kulturschaffen an verschiedenen Schauplätzen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Er erinnerte an viele eindrucksvolle Events im Schlosssaal, in der Spitalkirche oder in der Schwarzachtalhalle. Das vom KVU entwickelte Konzept einer „Prozessionsaustellung“ unter Einbeziehung der Altstadt sei inzwischen vielerorts kopiert Das Stadtoberhaupt zollte Dank und Anerkennung dafür, dass die Programm-Macher sich angesichts der fehlenden Planungssicherheit nicht entmutigen ließen und hohe Flexibilität an den Tag gelegt hätten. Trotz der umfassenden und sich oft ändernden Hygienevorschriften könne sich der Erfolg ihrer Anstrengungen sehen lassen: ein facettenreiches Angebot für die Neunburger Kunstherbstsaison 2020. „Dafür sind Euch der Stadtrat und ich sehr dankbar!“, betonte Bürgermeister Birner.

Vorsitzender Peter Wunder ließ in seinem Statement die zurückliegenden, äußerst bewegten Planungswochen Revue passieren. Er schilderte, wie der Kunstverein genau zu jenem Zeitpunkt mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen konfrontiert worden war, als das komplette Kunstherbst-Programm 2020 druckreif vorlag. Viele Wochen kämpfte der Vorstand um das geplante Klassik-Galakonzert am Oktober mit der Vogtland Philharmonie und Pianist Alexander Maria Wagner. Im Juni zeichnete sich ab, dass es nicht möglich sein werde, bei eingeschränkter Platzzahl und 1,5-Meter-Abstandsregel ein 60-Musiker-Orchester in der Schwarzachtalhalle auftreten zu lassen. Weitere für die Sommerzeit anvisierte Kulturevents wie die KVU-Werkschau und ein Barockkonzert in der Wallfahrtskirche mussten abgesagt werden. Weitere Kunstherbst-Veranstaltungen mussten umdisponieren, um den gesetzlichen Infektionsschutzmaßnahmen zu entsprechen. Inzwischen sei er selber ein Fachmann für Hygienekonzepte geworden, merkte Wunder ironisch an. Einen pauschalen Dank adressierte er an alle Mitstreiter, die das Zustandekommen des Neunburger Kunstherbstes 2020 ermöglichten. Näher ging der KVU-Vorsitzende auf die Internationale Ausstellung „AHOJ 20 – Kunst & Heim@“ ein. Sie eröffnet traditionell die Veranstaltungsserie des Neunburger Kunstherbstes und bezieht erstmals die Alte Fronfeste als Ausstellungslocation ein.
„Der Kunstverein Unverdorben stand wie viele andere Promoter vor der Entscheidung: Alles absagen und auf bessere Zeiten warten – oder trotz Unwägbarkeiten und Risiken den Re-Start wagen?“, blendete Programm-Koordinator und 2. Vorsitzender Karl Stumpfi auf die harte Lockdown-Phase zurück. „Im Krisenjahr 2020 einen Neunburger Kunstherbst anzubieten, ist und bleibt eine Gratwanderung“. Gleichwohl ließen sich die Programm-Macher von einer Kernaussage des Staatsministers für Kunst und Wissenschaft Bernd Sibler leiten, wonach alle Formen der Kultur elementar wichtig für unser Sozialleben seien.
Kunstausstellung, Workshop, Konzerte und Lesungen – das alles werde der KVU den Kunstinteressierten der Region in den kommenden Herbstmonaten bieten -„trotz Corona oder gerade wegen Corona“. Das verschlankte Programm 2020 enthält ausschließlich Veranstaltungsformate, die unter strikter Einhaltung der gesetzlichen Infektionsschutz-Maßnahmen realisiert werden können. Sollte es die weitere Pandemie-Entwicklung erfordern, behalten sich der KVU und seine Veranstaltungspartner kurzfristige Absagen vor.


„Kultur ist kein Luxus, den wir uns entweder leisten oder nach Belieben auch streichen können. Kultur ist der geistige Boden, der unser Überleben sichert.“
Richard von Weizsäcker


Persönlich freue er sich darüber, dass ein Kammermusikabend mit Ioana Popescu und Alexander Maria Wagner als „Plan C“ den angestammten Neunburger Klassik-Feiertag 2. Oktober „retten“ konnte. Nach 2016 und 2018 ist der KVU ein weiteres Mal Gastgeber eines Musik-und Kulinarik-Abends im Foyer der Schwarzachtalhalle. Für Kunst- und Gaumengenüsse sorgen am 6. November Chansonette Anja Killermann und ein Kunstherbst-Menue aus der Esszimmer-Gourmetküche. Mit ihrem neuen literarisch-musikalischen Programm „Auf den Hund gekommen“ ziehen die Vier Unverdorbenen am 23. November corona-bedingt in den großen Saal des Gasthofs Sporrer um. Der Programm-Koordinator des Neunburger Kunstvereins schloss wörtlich: „Nach den Turbulenzen in der Vorbereitungsphase hoffen wir umso mehr auf einen weitgehend ruhigen und harmonischen Verlauf der geplanten Aktivitäten. Unsere Einladung an alle Kunstinteressierten ist zugleich ein Appell: Kommt zu unseren Veranstaltungen, euer Besuch wäre ein starkes Zeichen der Solidarität und auch Beleg dafür, dass wir eine richtige Entscheidung getroffen haben!“
Einen Programm-Schwerpunkt im Kunstherbst 2020 bildet der Workshop „Lust am kreativen Schreiben“ und die erstmals von den KVU-Vorstandsmitgliedern Jürgen Zach und Hans Fischer initiierte Kunstaktion „Neunburg schreibt…“. Fischer nahm beim Pressegespräch die Gelegenheit wahr, diese Literatur- und Schreibaktion näher zu erläutern. Es seien weder Thema noch Motto oder Textart vorgegeben. Zur Auswahl stehen Prosatexte, Lyrische Formen – z.B. Erzählungen, Kurzgeschichten, Berichte, Beschreibungen, Stimmungsbilder, Aufsätze, Betrachtungen, Gedankenlyrik, Kindergedichte usw. „Man darf in alle Richtungen denken und schreiben“, unterstrich Hans Fischer. Teilnahmeberechtigt sind nicht professionell Schreibende, die im Landkreis Schwandorf leben oder Interesse an der Kulturarbeit des KVU haben. Besonders angesprochen fühlen sollen sich Schüler aller Altersstufen, sogar schon ab der Grundschule – „denn literarische Höchstleistungen sind hier nicht gefragt!“
Die Beiträge sollen nicht mehr als 7.500 Zeichen (ohne Leerzeichen) umfassen und müssen mit den Kontaktdaten der Einsender in der Zeit vom 01.August bis zum 30. November 2020 beim KVU eingegangen sein.