Palingenia longicauda, oder die Invarsion der Eintagsfliegen an der Naab

Es ist Hochsommer, die Zeit der nächtlichen „Massenschlupf-Umtriebe“ hat erneut begonnen. Die Eintagsfliegen an der Naab sind wieder da – allerdings fast unbemerkt von den Passanten der Brücken.
Während noch vor einigen Jahren Feuerwehren und Bauhöfe bis zu zehn Zentimeter dicke Schichten toter Insekten entfernen mussten und sich auf der Fahrbahn ein gefährlicher Schmierfilm bildete, hat die Maßnahme, Halogenstrahler unter den Brücken anzubringen, Erfolge erziehlt.


Leider aber nicht nur diese: Seit einigen Jahren ist ein extremer Rückgang dieses „Naabtaler“ Phänomäns zu verzeichnen. Auch hier hält Insektensterben und Klimaveränderung Einzug. Aber auch die Sommer der letzten Jahre und Hochwässer zu untypischen Zeiten haben dafür einiges an Verantwortung zu tragen. In 2021 nun stehen die Chancen gut, Temperatur, Modphase und Zeit passen, ob sich also in der typischen Zeit zwischen 20. Juli und Mitte August was tut lässt sich aber nicht vorhersagen.
Eintagsfliegen? Hier handelt es sich sowieso um einen irreführenden Begriff: Denn sie leben nur einige Stunden, bis sie sich gepaart haben. Und das geschieht nur nachts, nach 22 Uhr, wenn Luft- und Wassertemperatur sowie die Lichtverhältnisse (Vollmonsphase und Lauf) stimmen. Das war in der Vergangenheit auch das Problem.
Während sich die Insekten in der freien Natur am diffusen Licht der Sommerabends und an Spiegelungen auf dem Wasser orientieren, dienten die Brückenbeleuchtungen als willkommener „Kontakthof“ zur Paarung.
Die nach dem Akt versterbenden Männchen fielen dann auf die Fahrbahn, wo sie einen übel nach altem Fisch riechenden, glitschigen Schmierfilm hinterließen.


In den Kommunen entlang der Naab hat man deswegen Halogenstrahler unter den Brücken angebracht. Hier werden die schlüpfenden Fliegenlarven abgefangen und fallen, so wie es Mutter Natur geplant hat, zurück ins Wasser, wo ein anderes Schauspiel dann jeden Fischfreund in Verzückung versetzt: Die Fische schnappen sich das Festmahl! Besonders dann, wenn das Licht ausgeht, ist ein heftiges Geplansche zu hören – Dem Wochenblatt-Fotografen Thomas Starringer, ist es 2014 wohl zum ersten Mal gelungen, das sonst später einsetzende Festmahl besagter schuppiger Wasserbewohner im Bild festzuhalten. Natürlich auch nur weil die Strahler es nun zum ersten mal einfach möglich machten.


In welchem Ausmaß sich das ganze Spektakel allerdings ausformt, kann man nicht vorhersagen; es hängt schlicht und einfach davon ab, wie das Wetter wird. Je heißer und wolkenloser der Tag desto mehr ist in der Nacht los.
Mondphase und Lauf, Wassertemperatur, Luftdruck, Wind all das spielt bei dem Schauspiel eine Rolle. Wenn es dagegen wieder kälter und regnerischer wird, dann passiert gar nichts.


Und in wenigen Tagen ist der ganze Spuk sowieso wieder vorbei, bis in den nächsten Jahren die Nachkommen an die Oberfläche drängen Denn da legt sich das Insekt auch ungern fest ob nun 2 oder 3 Jahre als Larve…