Rekultivierung des ehemaligen südlichen Wackersdorfer Braunkohlereviers

Informierten sich aus erster Hand bei Uniper-Projektleiter Andreas Stake (re.) über die Maßnahmen zur Rekultivierung des ehemaligen südlichen Wackersdorfer Braunkohlereviers Westfeld (v.l.n.r.): Landschaftsarchitekt Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann, Technische Universität München, Harald Bemmerl, Bürgermeister der Gemeinde Steinberg am See, Uniper-Bauleiter Jörg Engel, Kerstin Bernauer von Uniper, Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling und der Bürgermeister von Wackersdorf, Thomas Falter. Im Hintergrund die Arbeiten rund um das Sickerwassersammelbecken im Bauabschnitt 02

Landrat Ebeling sowie die Bürgermeister Falter und Bemmerl informieren sich über Baufortschritt bei Uniper aus Erster Hand vor Ort

Seit Mitte des Jahres laufen auf dem Gelände des ehemaligen südlichen Wackersdorfer Braunkohletagebaus die Rekultivierungsmaßnahmen im rund fünf Hektar großen nördlichen Abschnitt unterhalb des Geotops. Auf Einladung von Uniper nutzten Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling, Landschaftsarchitekt Prof. Dr. Sören Schöbel von der TUM (Technische Universität München) sowie die Bürgermeister von Wackersdorf, Thomas Falter, und Steinberg am See, Harald Bemmerl, die Möglichkeit, sich über die Baufortschritte aus Erster Hand vor Ort informieren zu lassen.

Anfang September durften wir uns schon eimal das Westfeld anschauen und haben ein Video für euch mitgebracht!

Andreas Stake, Uniper-Projektleiter für das Oberpfälzer Seenland, gab zunächst einen kurzen Rückblick auf die seit 2009 erledigten Arbeiten auf dem Westfeld. Anschließend erläuterte er den aktuellen Stand der Arbeiten, insbesondere die derzeit laufenden, umfangreichen Baumaßnahmen rund um die aufwändigen Entwässerungsaufgaben, und die Zeitplanung zum Gesamtabschluss des Rekultivierungsprojekts Westfeld Ende 2022, vorbehaltlich des Vorliegens der entsprechenden Genehmigungen. „Unser Ziel ist“, so Stake, „die von den ursprünglichen Eigentümern intensiv industriell genutzten Flächen nicht nur der Natur als ökologisch wertvolle Landschaften, sondern auch den Menschen in der Region als öffentlich zugängliche Flächen zurückgeben zu können. Dafür investiert Uniper einen hohen zweistelligen Millioneneurobetrag.“

Landrat Ebeling zeigte sich über die transparente Vorgehensweise und nachhaltige Zielsetzung von Uniper angetan: „Wir freuen uns, dass sich Uniper sichtbar und erfolgreich darum bemüht, die heimische Wirtschaft an dem Investitionsvolumen teilhaben zu lassen. Ein Großteil der Bauaufträge sind an Firmen aus der Oberpfalz gegangen. Ganz im Sinne des Klimaschutzes stammen die aufzubringenden Böden aus der näheren Umgebung.“

Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter sah es als gelungenes Zeichen eines intensiven Informationsaustauschs, dass im Zuge der Rekultivierungsarbeiten gemeinsam mit Uniper nach Lösungen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes für den Bauhof gesucht wird. Falter betonte: „Die geplante Lösung sieht den Ausbau des Entwässerungsgrabens zwischen Industriestraße und Westfeld mit zusätzlichen Regenrückhaltebecken bei Starkregenereignissen vor. Dies wird ein wesentlicher Baustein zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in unserem Gemeindegebiet sein.“

Projektleiter Stake ergänzte: „Damit gelingt uns gleichzeitig über das dann weiter ausgebaute Grabensystem die Vernetzung und Wiedervernässung eines Moorwaldbestandes im Umfeld des naturnahen Weiher- und Vogelschutzgebiets rund um den Hirtlohweiher. Der künftig gleichmäßigere Wasserzustrom zum Hirtlohweiher wird zur Wiederherstellung und zum Erhalt eines natürlichen Wasser- und Nährstoffhaushalts beitragen und der großflächigen Verlandung des Gebiets entgegenwirken“,.

Steinbergs Bürgermeister Harald Bemmerl, dessen Gemeindefläche ebenfalls direkt an das Westfeldgelände angrenzt, sah die Aktivitäten und Ziele von Uniper positiv: „Als Tourismusgemeinde hoffen wir, mit Uniper und unserer Schwestergemeinde gemeinsame Lösungen zu erarbeiten, um den bisher so trennend wirkenden „Fremdkörper“ Westfeld, als Vernetzungskorridor gestalten zu können und somit dem Tourismus in unserer Region weiter Auftrieb zu geben.“

Mit einer ausführlichen Informationsfahrt durch das gesamte Westfeldgelände konnte Uniper die einzelnen Rekultivierungsschritte und -phasen fühlbar und nachvollziehbar machen.

Hintergrund: Insgesamt sieben Jahrzehnte war das Wackersdorfer Braunkohlerevier von bergmännischer Nutzung geprägt. Die Rekultivierung der Westfeld-Flächen lag bei der ehemaligen Bayerischen Braunkohleindustrie (BBI), dem Bayernwerk und E.ON, von der Uniper die Aufgabe übernommen hat. Das Rekultivierungsprojekt wurde 2002 gestartet. Der Abschluss ist bis Ende 2022 in mehreren Etappen vorgesehen.

Auf dem insgesamt gut 80 Hektar großen, ehemals weitgehend ebenen südlichen Wackersdorfer Braunkohle-Tagebaugebiet Westfeld wurden während der Betriebszeit des Kraftwerks Schwandorf-Dachelhofen (1930-2002) der im Kraftwerk benötigte Brennstoff Braunkohle erst abgebaut und in Teilbereichen später eigene und tschechische Braunkohlelieferungen gelagert. Die ausgekohlten Tagebaugruben wurden mit Abraum aus dem Braunkohleabbau und mit Kraftwerksasche sowie im Bereich des heutigen Westfeld-Damms mit Bauschutt und Abbruchmaterial einer ehemaligen Brikettfabrik und des Schwandorfer Kraftwerks verfüllt. Seit 2009 dient das Areal des Westfeld-Damms zum Teil als Lagerplatz für die benötigten Baumaterialien zur Rekultivierung des Westfeldes.

Im Zuge des Rekultivierungsvorhabens wird insbesondere auch das vorhandene Entwässerungssystem und die Sickerwasseraufbereitung für das Westfeld grundlegend modernisiert und ausgebaut. Neben dem Sickerwassersammelbecken (kurz: Sickerwassersammler), das sich an der tiefsten Stelle des Westfelds (-30 Meter) befindet, wurden vier großvolumige Saugpumpenschächte mit modernen Hochleistungs-Saugpumpen installiert. Auch die Aufbereitung von verunreinigtem Sickerwasser möchte Uniper soweit wie möglich energie- und ressourcenschonend gestalten. Dazu unterstützt Uniper am Standort Westfeld ein zukunftsweisendes Umweltforschungsprojekt der BASE TECHNOLOGIES GmbH, einem Umwelttechnologiespezialisten aus München, in Kooperation mit der Universität

Bayreuth und mit Förderung der renommierten Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Ziel des Projektes ist die Einführung und Weiterentwicklung einer naturnahen und nachhaltigen Technologie zur Wasseraufbereitung unter vollständigem Verzicht auf den Einsatz von Energie und Chemikalien. Eine innovative mehrstufige Versuchsanlage arbeitet seit 2017 auf dem Westfeld und belegt die Möglichkeit eines dauerhaften, sicheren Betriebs einer solchen passiven Reinigungsanlage unter realen Bedingungen. Uniper beabsichtigt die Beantragung einer deutschlandweit ersten passiven Großanlage als nachhaltige Alternative zur bestehenden Sickerwasseraufbereitungsanlage. Mit der vorliegenden Datenbasis konnte durch BASE TECHNOLOGIES in enger Kooperation mit den zuständigen Behörden bereits die Genehmigungsplanung angestoßen werden.

Auch für die Regenwassersammlung wurden drei neue Pumpenschächte zur Sammlung des Oberflächenwassers in den Rekultivierungskörper gesetzt. Über diese wird künftig das saubere Regenwasser in Regenrückhaltebecken gesammelt und mit Pumpen über den Entwässerungsgraben Nord weiter in den Hirtlohweiher geleitet. Das Grabensystem in Richtung Hirtlohweiher wird durch Rückbau von Verrohrungen und Überbauungen umgestaltet. Dadurch verbessern sich dessen Gestalt und die Gewässerökologie spürbar. Zudem wird es als wichtiger Baustein zu Verbesserung des Hochwasserschutzes, z. B. bei Starkregenereignissen, für das Gemeindegebiet Wackersdorf mit Herstellung naturnaher Retentionsräume und Überschwemmungsflächen im Westfeldgelände angepasst und ausgebaut.

Natur- und Artenschutz-Maßnahmen im Vorfeld Alle Maßnahmen wurden und werden unter Hinzuziehung externer Fachleute und unabhängiger Gutachter von Uniper Kraftwerke GmbH geplant und von den zuständigen Behörden intensiv geprüft und genehmigt. Die Umsetzung der Rekultivierungsmaßnahmen erfolgt auch in Abstimmung mit den örtlichen Forst- und Naturschutzbehörden. Umfangreiche naturschutzfachliche Ausgleichmaßnahmen, sogenannte CEF-Maßnahmen (continuous ecological functionality measures), sind den eigentlichen Rekultivierungsarbeiten zwingend vorgeschaltet. Unter CEF-Maßnahmen versteht man „vorgezogene ökologische Ausgleichsmaßnahmen“ zur Sicherung des Artenreichtums eines Gebietes. Damit wird schon im Voraus ein kontinuierlicher und durch optimierte Ausgestaltung bisweilen sogar besserer ökologischer Zustand hergestellt. Die CEF-Maßnahmen müssen gewährleisten, dass die betreffenden Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu keinem Zeitpunkt eine Unterbrechung oder Reduktion ihrer ökologischen Funktionsfähigkeit erleiden. Habitate werden in Qualität und Quantität erhalten. Dies wird von einem unabhängigen Gutachter und den Naturschutzbehörden überprüft.

Im Fall Rekultivierung des Westfeld-Damms wurde bereits 2013 mit den planungsrechtlich relevanten und umfassenden naturschutzfachlichen Untersuchungen der Biotop-, Habitat-, Boden-, Wasser-, Klima- und Landschaftsbildfunktionen in einem großangelegten, weit über die eigentliche Rekultivierungsfläche hinausgehenden Betrachtungsbereich von rund 74 Hektar begonnen. Sie umfassten neben der Vegetation vor allem eine Bestandserfassung der Artengruppen Vögel, Reptilien, Fledermäuse, Heuschrecken, Amphibien und Libellen sowie Biotop-, Horst- und Höhlenbaumkartierungen.

In Vorbereitung zu den Rekultivierungsmaßnahmen wurden auf über acht Hektar Ausgleichsflächen angelegt. Westlich des Rekultivierungs-Areals entstanden neue Laichgewässer- und Landhabitate sowie Verbund- und Vernetzungskorridore, die auch einer Lebensraumvernetzung zum Naturschutzraum Hirtlohweiher dienen. So sind Ersatzlebensräume für wichtige und geschützte Amphibien (z. B. Kreuzkröte, Knoblauchkröte), Eidechsen (speziell Zauneidechse), Fledermäuse und sonstige wertvolle Spezies, z. B. der Haselmaus, in den umliegenden Gehölzbereichen geschaffen und die Tiere umgesiedelt worden. Zusätzlich werden auch die westlich des Westfeldes liegenden reinen Nadelholzkulturen 2020 zu einem naturschutzfachlich gewünschten robusten Mischwald umgestaltet.

Durch die Rekultivierungsmaßnahmen wird sich die Fauna und Flora auf dem Westfeld-Gelände zu einem naturschutzfachlich hochwertigen Vegetations- und Lebensraum entwickeln, verbunden mit einer positiven Veränderung des Landschaftsbildes. Infolge der Biotopvernetzung und Integration des ehemaligen Braunkohleabbaugebietes in die Naturlandschaft der Region wird der ökologische Zustand des Geländes nachhaltig verbessert. Die Umgestaltung der Oberfläche sichert darüber hinaus die dauerhafte Verbesserung der Schutzgüter Grundwasser und Boden.

Uniper SE , Jan Kifer / thomasstarringer