Spatenstich für Wackersdorfer Besonderheit: FFW Wache 2

Die Gemeinde Wackersdorf baut eine neue, zusätzliche Feuerwache. Die neue Feuerwehr im Nordosten der Kommune wird hierarchisch in die Feuerwehr Wackersdorf eingegliedert. Der Standort in der Ortsmitte bleibt dabei unverändert bestehen. Ende Juli feierten Vertreter von Regierung, Landkreis, Gemeinde, Feuerwehr und beteiligten Unternehmen Spatenstich. Die Fertigstellung der Wache ist bereits in einem Jahr geplant.

Warum eine zweite Wache?

„Für eine Gemeinde in der Größenordnung Wackersdorfs ist eine zweite Wache eher ungewöhnlich“, stellte auch Regierungspräsident Axel Bartelt während seines Grußworts fest. Die Ursache liegt in der besonderen Wirtschaftsstruktur der Kommune. 6.000 Arbeitsplätze bei 5.300 Einwohnern, internationale Spitzenkonzerne und eine große räumliche Distanz zwischen den Wohnorten und dem Großteil der Industrie- und Gewerbegebiete erschweren die Einhaltung der sogenannten Hilfsfrist in der nördlichen Peripherie Wackersdorfs. „Das Bayerische Feuerwehrgesetz gibt eine Hilfsfrist von 10 Minuten vor. Das heißt, innerhalb von 10 Minuten nach der Alarmierung müssen die ersten Einsatzkräfte vor Ort sein“, schildert Bürgermeister Thomas Falter. Alarmierung, Einrücken, Umziehen, Ausrücken und beispielsweise Anfahrt in die Oskar-von-Miller-Straße: Das kurze Zeitfenster sei beim Ausrücken von der bestehenden Feuerwache 1 in der Ortsmitte kaum einzuhalten. Selbstverständlich wurden in der Planungsphase auch Alternativen wie die Verlegung der Wache 1 in Betracht gezogen. Letztere hätte wiederum dazu geführt, dass die Hilfsfrist Richtung A93 überschritten worden wäre. „Wir haben viele Optionen überprüft, das Ergebnis ist Wache 2 – eine wunderbare Lösung“, freute sich Landrat Thomas Ebeling.

Neue Wache, Fahrzeuge – aber wer rückt aus?

Die Wache wird gebaut, Fahrzeuge und Technik werden angeschafft, und dann? Das gesamte Planungsgremium sah sich über Jahre mit einer zentralen Frage konfrontiert: Wer rückt von Wache 2 aus? „Es macht keinen Sinn, wenn die Einsatzkraft aus der Ortsmitte erst zur Wache im Industriegebiet fährt. Dann geht es auch nicht schneller“, fasste Landrat Thomas Ebeling kurz zusammen. Bürgermeister Thomas Falter ergänzt, man habe in enger Zusammenarbeit mit den umliegenden Unternehmen ein gemeinsames Konzept ausgearbeitet. So wird die Wache wird bei einer Alarmierung unter anderem durch Mitarbeiter der Firmen besetzt. Viele Feuerwehrdienstleistende, die an ihrem Wohnort bereits im aktiven Feuerwehrdienst tätig sind, treten zusätzlich der Feuerwehr Wackersdorf als sogenannter Zweitwehr bei. Durch die Freistellung des Arbeitgebers können sie nun, unter vollständiger rechtlicher Absicherung, auch am Arbeitsort zu Einsätzen mit ausrücken. Derzeit sind bereits 40 Arbeitnehmer der Wehr beigetreten, weitere folgen in den kommenden Wochen. „Für besondere Herausforderungen braucht es besondere Lösungen. Ich kenne in der gesamten Region keine Feuerwehr, die mit demselben oder einem ähnlichen Konzept arbeitet“, kommentierte Jochen Sander, der 1. Kommandant der Feuerwehr Wackersdorf, das Personalmodell, Hauptsamtsleiter Reinhard Schuß aus der Gemeindeverwaltung fügte hinzu: „Das Konzept bringt auch einen einsatztaktischen Vorteil mit sich. Die Mitarbeiter kennen ihre eigenen Betriebe, Gebäude und deren Besonderheiten.“ Ergänzt wird die Einsatzmannschaft durch freiwillige Kräfte der Feuerwehr Wackersdorf, die bisher von Wache 1 ausgerückt sind, und die Mannschaft der Feuerwehr Rauberweiherhaus. Von wo aus die Aktiven jeweils ausrücken, wird ihnen über die Alarmierung via Funkmeldeempfänger oder SMS mitgeteilt.

Die wichtigsten Daten zur neuen Wache:

  • Das Projekt in der Chronologie:
    • Erste Vorstellung des Konzepts in Gemeinderatssitzung am 16.10.2019
    • Zustimmung des Gemeinderats zum Bauantrag am 22.04.2020
    • Spatenstich am 30.07.2020
    • Ausführungszeit ca. 12 Monate, geplante Fertigstellung: August 2021
  • Am Projekt beteiligt:
    • Beauftragtes Planungsbüro: Preihsl + Schwan (Burglengenfeld)
    • Fachbüro für die technischen Gewerke:  Büro Brundobler (Wackersdorf)
    • Tragwerksplanung: Büro Surrer (Wackersdorf)
    • Ausführende Firma: Fa. Anton Aumer Bau GmbH (Roding)
  • Standort:
    • Grundstücke Flst. Nr. 184/207 und 172/2 Gemarkung Rauberweiherhaus, direkt am Verkehrskreisel nach der Kartbahn, zur Zufahrt zum Innovationspark
    • Grundstücksfläche: 11.450 m²
    • Standort wurde durch Dienstleister der Gemeinde, das IBG (Ingenieurbüro für Brandschutztechnik und Gefahrenabwehrplanung) analysiert und fachlich eingeschätzt. Ergebnis unter Berücksichtigung von Dispositions-, Alarmierungs- und Ausrückzeiten: Lage sehr geeignet
  • Gebäude:
    • Massive Bauweise (Stahlbeton, Mauerwerk)
    • Dachform: Flachdach mit Kiesschüttung
    • S-förmige Anlage
    • Länge: 26 m
    • Breite: 23 m
    • Höhe:  6,5 m
    • Grundfläche: 600 m²
    • Geschoßfläche: 800 m²
    • Baumasse: 3730 m³
    • Option auf spätere Erweiterung des Gebäudes
    • 3 Stellplätze für Einsatzfahrzeuge, kleinere Halle dient als Multifunktionsfläche mit angrenzender Schlauchpflege und Schlauchlager, zwischen den Stellplätzen und der Multifunktionshalle befindet sich ein Büro mit Archiv und abgegrenzten EDV-Raum.
    • EG außerdem: Atemschutzwerkstatt, separate Umkleideräume für Damen und Herren mit jeweils angrenzenden Sanitär- und Waschräumen
    • OG: Schulungsraum, Bereitschaftsraum, Multifunktionsraum
    • 28 Parkplätze für Einsatzkräfte; Zufahrt der Aktiven und Ausfahrt der Einsatzfahrzeuge erfolgen über verschiedene Ein- bzw. Ausfahrten im Osten bzw. Westen des Grundstücks (Ausfahrt über angrenzenden Kreisverkehr)
    • Technik: Heizung über Gas-Therme mit solarer Brauchwasserunterstützung, Installation von einer PV Anlage mit ca. 20 kWp, Klimatisierung der Aufenthalts- und Schulungsräume, Abgasabsauganlage, Druckluftanlage, Sektionaltore mit gesteuerter Öffnungs- und Schließregelung
  • Kosten und Förderungen:
    • Gesamtkosten ca. 2,0 Mio. Euro
    • Regierung der Oberpfalz stellt eine Förderung des Projektes von über 200.000 € in Aussicht
    • Sachaufwandsträger für Fahrzeuge, Einsatztechnik und persönliche Schutzausrüstungen ist die Gemeinde Wackersdorf (zum Teil weitere Fördermittel abrufbar)

Mit dem Spatenstich auf der Zielgeraden

„Ein Spatenstich wirkt immer wieder der Beginn von etwas Großem. Im Sinne der Bautätigkeit ist das völlig richtig. Im Falle dieses Projekts, war der Weg bis heute ein sehr langer. Mit dem Spatenstich biegen wir auf die Zielgerade ein“, fasst Bürgermeister Thomas Falter beim Baubeginn kurz zusammen und bedankte sich bei allen Beteiligten für exzellente und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Insbesondere Regierungspräsident Axel Bartelt und Landrat Thomas Ebeling, jeweils inklusive ihrer Teams, sowie Reinhard Schuß aus der Gemeindeverwaltung und Kommandant Jochen Sander hätten einen erheblichen Anteil zum Gelingen und zur Lösungsfindung beigetragen. „Für den Bau wünsche ich allen Beteiligten gutes Gelingen und einen unfallfreien Verlauf“, schloss der Bürgermeister den offiziellen Spatenstich. Geplante Fertigstellung der neuen Woche ist bereits in einem Jahr, im August 2021. Die Kosten sind mit rund 2 Mio. Euro veranschlagt.

Welche und wie viele Fahrzeuge werden es jetzt?

Keine Frage wurde bereits nach der Erstmeldung über den Neubau öfter gestellt. Soweit steht fest: Die neue Wache verfügt über drei Stellplätze für (Groß-) Einsatzfahrzeuge. Welche Ausstattung und Einsatzmittel in der neuen Wache im Detail vorgehalten werden, regelt der sogenannte Feuerwehrbedarfsplan, der alle 5 Jahre neu erstellt und für Herbst 2020 erwartet wird. Erst mit dem aktualisierten Feuerwehrbedarfsplan können genauere Aussagen zur Technik getroffen werden.